Ursprünge der Volksmusik

Es gibt ja den einen oder anderen Diskurs über die Begriffe Volksmusik und Volkstümliche Musik. Musikalisch sind darin enthalten: Das Volkslied, die tradierte Volksmusik mit ihren acoustic-guitar-336479_640regionalen Ausprägungen und Instrumenten wie beispielsweise Steirische Harmonika, Alphorn oder Maultrommel. Dem gegenüber steht die eher unter kommerziellen Aspekten entstandene Schlager-Musik.

Eine der unschwer zu erkennenden Musikrichtungen der Volksmusik mit traditionellem Hintergrund ist die Alpenländische Volksmusik, die – wie der Name schon vermuten lässt – vorwiegend die in den deutschsprachigen Alpenländern Bayern, Österreich, Schweiz und Südtirol sowie angrenzenden Gebieten wie Baden-Württemberg überlieferte Volksmusik bezeichnet. Diese ist klanglich eine eigene musikalische Gattung mit urtümlichen Instrumenten wie der Okarina, Steirischen Harmonika oder den allgemeinen traditionellen Instrumenten wie Geige, Gitarre etc.

Musik als Tradition

 

Entwickelt hat sich die alpenländische Volksmusik ebenso wie die sonstige Volksmusik mittels mündlicher Überlieferung. Ein Ursprung ist der „Kuhreihen“, er stammt aus dem Appenzell und geht auf das 16. Jahrhundert zurück.

Der Kuhreihen oder Kuhreigen

 

Ein Kuhreihen oder Kuhreigen fußt darauf, dass man in den Schweizer Alpen ursprünglich die Kühe zum Melken anlockte. Die ältesten dazu entstandene Melodien und Liedtexte stammen beispielsweise aus dem Emmental, Oberhasli, Entlebuch und Simmental sowie im französischsprachigen Gebiet des Kantons Freiburg (Greyerz), dort nannte man es nicht Kuhreigen, sondern „Ranz des vaches“. Meist enthalten die Texte etwas in der Bedeutung von „Kühe, kommt zum Melken!“ sowie die Namen einzelner Kühe.

Die Macht der Musik

Es gibt eine Krankheits-Beschreibung der sogenannten Schweizerkrankheit aus dem 17. Jahrhundert, die von Heimwehe oder Heimsehnsucht berichtet, die berichtet, dass beim Anhören von Kuhreihen Schweizer Söldner von Melancholie erfasst wurden und zur Desertion neigten. Daher wurde Offizieren von Schweizer Söldnern unter Androhung schwerer Strafe verboten, Kuhreihen zu spielen oder zu singen, um eben erwähnte Ausbrüche von Desertion aufgrund von Heimweh zu verhindern. Die Kuhreihen bestehen hauptsächlich aus dem Alpenhorn und der Stimme des Hirten.

Im 19. Jahrhundert fanden Kuhreihen einen populären Aufschwung durch die Publikationen von acht «Schweizer-Kühreihen» durch G. J Kühn und J. R. Wyss, welche die Kühe lockenden Lieder romantisch verbrämten. Es begann mit einer einfachen Sammlung und endete mit einer Luxusausgabe bestehend aus 76 klavierbegleiteten Nummern mit pompöser Bebilderung für gebildete Touristen. Ja, auch damals war Merchandising nicht unbekannt, man nannte es nur anders.

Ein späterer Kuhreigen wurde auch für Franz Liszt, Joachim Raff, Meyerbeer, Rossini und Richard Wagner zum Anknüpfungspunkt eigener Kompositionen und beeinflussten das im 19. Jahrhundert aufkommende schweizerdeutsche Jodellied.

Das Locklied auf dem Appenzell – wo wohl der leckerer Bergkäse herkommen mag – wurde von einigen als besonders musikalisch beschrieben, indem auf die Silben hö, hä, ä …der höchstmögliche Ton eingesetzt wurde und einen abwärts gleitenden Kettentriller mit Zwischenrufen hören lasse. Grundsätzlich sind ähnliche Melodieformen, die dem Anlocken der Kühe diente, auch Hirten anderer Regionen und Länder bekannt.

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